Was passiert, wenn Jugendliche und ältere Menschen miteinander ins Gespräch kommen? Es entstehen Geschichten, Erinnerungen, Lachen – und manchmal auch ganz neue Blickwinkel auf das Leben. Genau dafür steht das Erzählcafé der Friedrich-Schelling-Schule, das beim Jugenddiakoniepreis „MachMit!Award“ mit dem 3. Platz ausgezeichnet wurde.
Bei der feierlichen Preisverleihung im Diakonischen Werk in Stuttgart war die Freude groß. Die Auszeichnung würdigt ein Projekt, das auf besondere Weise zeigt, wie soziales Engagement und Begegnung zwischen den Generationen gelingen können.
Zur Preisverleihung reiste die Schule gemeinsam mit Schulleiter Jürgen Ruf, Hausdirektorin des Robert-Breuning-Stifts Elke Eckert, Diakonin Sibylle Zimmer und Lehrerin Kathrin Hanauska und mit fünf der beteiligten Schülerinnen. Gemeinsam konnten sie den Preis entgegennehmen und sich über die Anerkennung für das außergewöhnliche Engagement der Schülerinnen und Schüler freuen.
Wenn Jung und Alt miteinander ins Gespräch kommen
Einmal im Monat wird es im Robert-Breuning-Stift lebendig: Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7 der Friedrich-Schelling-Schule besuchen die Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen Erzählcafé.
Die Jugendlichen nehmen freiwillig im Rahmen des Nachmittagsangebots der Ganztagesschule teil, das es an der Friedrich-Schelling-Schule bereits seit 2018 gibt. Was dabei entsteht, ist weit mehr als ein gewöhnliches Nachmittagsprogramm. Es sind Begegnungen, bei denen zwei Generationen aufeinandertreffen und miteinander ins Gespräch kommen.
Im Mittelpunkt steht jedes Mal ein zuvor festgelegtes Thema. Welches Thema es sein soll, entscheiden die Schülerinnen und Schüler gemeinsam. Anschließend bereiten sie das Treffen im Unterricht vor und überlegen, wie sie die Seniorinnen und Senioren aktiv einbeziehen können.
Mal wird gesungen, mal gespielt, mal ein Gedicht vorgetragen oder eine kleine Präsentation gezeigt. Auch Bilder, Plakate und selbst gestaltete Einladungen gehören dazu. Die Jugendlichen übernehmen damit Verantwortung für die Gestaltung der Treffen – und sorgen dafür, dass die Vorfreude bei den Seniorinnen und Senioren steigt.
Von „Glück“ bis „Schule – früher und heute“
Die Themen sind so vielfältig wie die Menschen, die sich im Erzählcafé begegnen. „Frühling“, „Glück“, „Liebe“, „Spiele“, „Geburtstag“ und „Sommer, Sonne, Urlaub“ standen bereits auf dem Programm. Auch die Frage „Schule – früher und heute“ bot reichlich Gesprächsstoff.
Gerade hier wird deutlich, was das Erzählcafé so besonders macht: Die Seniorinnen und Senioren bringen ihre Erinnerungen und Lebenserfahrungen ein, während die Jugendlichen von ihrem heutigen Alltag erzählen. Aus unterschiedlichen Lebenswelten entstehen Gespräche, in denen beide Seiten etwas zu erzählen und etwas zu entdecken haben.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Robert-Breuning-Stifts sind die Treffen eine willkommene Abwechslung im Alltag. Viele Seniorinnen und Senioren nehmen regelmäßig teil und freuen sich über die jungen Besucherinnen und Besucher, die neue Energie, Neugier und Geschichten mitbringen.
Begegnung, die Verständnis schafft
Für die Schülerinnen und Schüler wiederum ist das Erzählcafé eine besondere Form des sozialen Lernens. Im direkten Kontakt erfahren sie, dass ältere Menschen manchmal schlechter hören, sich nicht mehr so sicher bewegen können oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Sie lernen, geduldig zu sein, Rücksicht zu nehmen und aufmerksam zuzuhören. Dabei entstehen nebenbei wichtige Werte: Empathie, Respekt und Verständnis füreinander.
Das Erzählcafé schafft damit etwas, das im Alltag nicht selbstverständlich ist: regelmäßige Begegnungen zwischen Jung und Alt. Die Jugendlichen lernen ältere Menschen nicht nur aus Erzählungen kennen, sondern erleben sie als Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner mit eigenen Geschichten, Erfahrungen und Vorstellungen.
Eine Auszeichnung für gelebtes Miteinander
Der 3. Platz beim Jugenddiakoniepreis „MachMit!Award“ ist deshalb eine besondere Anerkennung für alle, die das Erzählcafé mit Leben füllen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass soziales Engagement nicht immer groß und spektakulär sein muss. Manchmal beginnt es ganz einfach damit, Zeit miteinander zu verbringen, zuzuhören und miteinander zu reden.
Mit dem Erzählcafé bringt die Friedrich-Schelling-Schule seit Jahren Generationen zusammen – und schafft damit Begegnungen, die bleiben. Der „MachMit!Award“ hat dieses Engagement nun sichtbar gemacht und mit einer verdienten Auszeichnung gewürdigt.